Mit gerade einmal drei Monaten wurde Lydia Booysen aus Kimberley, Südafrika, nach einem Gewaltvorfall von der Hüfte abwärts gelähmt – ein Einschnitt, der ihre Träume schon vor dem ersten Schritt hätte beenden können.
Für Lydia war dies der Auftakt einer Geschichte voller Entschlossenheit und Liebe zur Bewegung. Schon als Kind nahm sie an Talentshows teil und übte stundenlang Choreografien, fest entschlossen, sich nicht über ihren Rollstuhl definieren zu lassen.
Vom Schwimmbecken auf die Tanzfläche
Während der Tanz schon immer ihre Leidenschaft war, glänzte Lydia auch im Schwimmen. Bei Wettkämpfen für Sportler:innen mit Behinderung holte sie Gold. Jahrelange Belastungen für den Rücken führten jedoch zu mehreren Operationen und zwangen sie, das Schwimmen aufzugeben. Der Verlust traf sie hart, gab ihr aber den nötigen Anstoß, sich ganz dem Tanz zu widmen.
Unterrichten mit Mission
2023 begann Lydia, Kindern im Kimberley-Stadtteil Salt Lake kostenlos Tanzunterricht zu geben. In ihren Klassen trainierten sowohl nichtbehinderte Kinder als auch solche mit Behinderung. Sie war überzeugt, dass jede:r Tänzer:in eine Geschichte erzählen kann – sei es über elegante Schritte oder ausdrucksstarke Armbewegungen. Gemeinsamer Rhythmus und Teamwork vermittelten ein starkes Gefühl von Zugehörigkeit.
Anerkennung und verpasste Chancen
Ihr Talent fiel 2023 bei Auditions für die Show „Lost Angels“ in Kapstadt auf und hätte sie bis nach Los Angeles führen können. Die Reise lag jedoch trotz eingegangener Spenden außerhalb ihrer finanziellen Möglichkeiten.
Stattdessen investierte sie weiter ihr eigenes Geld aus der Invaliditätsrente in Uniformen, Fahrten und Startgebühren für ihre Schüler:innen. Ihr Traum: ein Studio, in dem junge Tänzer:innen trainieren und auftreten können, ohne sich um die Kosten zu sorgen.
Erfolge und Pläne
Lydias Einsatz zahlte sich aus. Bei einem Wettbewerb in Bloemfontein gewann sie Gold – als einzige Teilnehmerin mit Behinderung. Die Reaktion des Publikums zeigte die emotionale Kraft ihrer Darbietung. Dieser Sieg brachte ihr einen Startplatz bei einem internationalen Event in Johannesburg ein.
Getragen von ihrem Glauben und der Kraft der Gemeinschaft will sie ihren Unterricht ausbauen, noch mehr Tänzer:innen erreichen und eines Tages ihre Schüler:innen auf Bühnen weit über Kimberley hinaus sehen.

